Kurtag 04

Der Walser Herbst legte heute eine montägliche Pause ein. Das gab Herrn und Frau Meise Gelegenheit, sich auf die Spur der Sorge um sich selbst und andere zu machen. Dieses Bemühen wird von manchen als wahrer Jungbrunnen beschrieben. Agnes, eine 74-jährige Raggalerin, hat mit ihrer Formulierung das Leitmotiv dafür etabliert: »Ich kümmere mich gern um das, was ich mit eigenen Händen geschaffen hab.«

Sie führte Herrn & Frau Meise auf ihren geräumigen Arbeitsbalkon, den sie ihren Kraftort nennt und auf dem sie an der frischen Luft aber doch vor der Witterung geschützt, viele der Arbeiten verrichtet, die mit ihrer Familie und der Vermietung von Zimmern an Gäste einhergehen. Die Meisen, inspiriert von dem wunderbaren Mittagessen, zu dem Agnes sie schon bei ihrer Ankunft im Tal eingeladen hatte, gingen ihr beim Aufhängen gewaschener Großwäsche gern zur Hand. Ein Sturz am Beginn des Sommers hatte manche ihrer Bewegungen etwas eingeschränkt. Da war es für Herrn und Frau Meise eine Freude ein klein wenig von der liebevollen Sorge, die Agnes ihren Gästen und Freunden entgegenbringt, tätig zu erwidern.

Die häusliche Sorge fand eine schöne Fortsetzung im Wald oberhalb der ersten Staustufe des Lutzbachs im Tal zwischen Raggal und Blons. Lange schon hatte Frau Meise Herrn Meise vom Bau kleiner Zwergenhäuser vorgeschwärmt. Es ist ein sehr bedachtsames Tun, das von einer topografischen Fundstelle ausgelöst wird: zum Beispiel eine von einer Wurzel gebildete kleine Stufe eines am Hang stehenden Baumes, unter der sich eine leicht moosige Einbuchtung gebildet hat. Dort werden nach und nach Ergänzungen und Erweiterungen zugebaut; Waldfundstücke tragen oft schon die Bilder für ihre Verwendung in sich und der Gedanke an das Wohlergehen der imaginären BewohnerInnen lässt Herrn und Frau Meise kleine Details anbringen, von denen vor Beginn dieses Unternehmens niemand wissen konnte. Dieses Bauen führte die Meisen zu einer Begegnung mit den Wünschen und Sehnsüchten, die sie für das eigene Zuhause-Sein hegen.

Auf Kur zu sein beinhaltet im besten Fall diese »Sorge um sich selbst«, die ein Bewusstsein dafür, was uns gut tut, nötig hat, es aber auch hervorbringt. Nach den ersten drei Kurtagen voller intensiver Anwendungen waren das für Herrn & Frau Meise heute eben auch ganz einfache Dinge wie Ausschlafen, Brombeeren naschen und abends der untergehenden Sonne noch einen letzten Blick nachzuschicken.

 

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